An diesem Wochenende eröffneten die Bayreuther Festspiele ihre Jubiläumssaison anlässlich ihres 150-jährigen Bestehens. Das Bayreuther Festspielhaus – ein Höhepunkt europäischer Kultur – wurde in den 1870er Jahren von Richard Wagner mit finanzieller Unterstützung von König Ludwig II. von Bayern gegründet, um dort seine Opern – oder das, was er als „Musikdramen“ bezeichnete – aufzuführen.
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In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts leitete Wagners britische Schwiegertochter Winifred Wagner die Geschicke von Bayreuth und wurde zu einer engen Freundin und Unterstützerin Adolf Hitlers. Auch Wagners britischer Schwiegersohn Houston Stewart Chamberlain war bis zu seinem Tod im Jahr 1927 eng mit Bayreuth verbunden und übte einen bedeutenden ideologischen Einfluss auf den künftigen Führer aus.
Selbst im späten 20. Jahrhundert waren Mitglieder der Familie Wagner, die Verbindungen zum Dritten Reich hatten, weiterhin an der Leitung der Bayreuther Festspiele beteiligt, und bekannte Nationalsozialisten wie SS-General Karl Wolff besuchten diese häufig.


Seit Wolfgang Wagners Rückzug im Jahr 2008 und seinem Tod 2010 hat sich das Festival jedoch immer demonstrativer als „anti-nazistisch“ inszeniert.
Der Jahrestag an diesem Wochenende zeigte die politische Elite Deutschlands im 21. Jahrhundert zugleich von ihrer besten und ihrer schlechtesten Seite.
Im Vergleich zu Großbritannien (geschweige denn den USA) bewahren sich deutsche Politiker eine lobenswerte Verbundenheit mit der europäischen Hochkultur anstatt mit plumpem Populismus. Bundeskanzler Friedrich Merz und seine Vorgängerin Angela Merkel sowie der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (Vorsitzender der konservativen CSU) waren anwesend.
Doch mehr noch als sonst bot dieses 150. Jubiläum Anlass zu geradezu obsessiven „Anti-Nazi“-Bekundungen – angefangen bei der Eröffnungsrede der Urenkelin des Komponisten, Katharina Wagner, die heute die Leitung der Festspiele innehat. Sie legte in diesem Jahr besonderen Wert auf eine enge Zusammenarbeit mit dem zionistischen Propagandisten Michel Friedman.
Im Jahr 2003 musste Friedman als Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses zurücktreten, nachdem er wegen Kokainbesitzes verurteilt worden war – in einem Skandal, der auch seinen Umgang mit Frauen umfasste, die in die Prostitution verschleppt worden waren. Normalerweise hätte dies das Ende einer Karriere bedeutet; doch Friedman ist ein prominenter Jude, und da wir uns in Deutschland befinden, wird er – auch wenn ihn viele seiner jüdischen Glaubensgenossen meiden – von nichtjüdischen Deutschen, die das Bedürfnis verspüren, sich vor zionistischen Wortführern zu erniedrigen, weiterhin wie ein Held behandelt.
Daher stand Friedman gestern an der Seite von Katharina Wagner und begrüßte VIP-Gäste, als wäre er der Miteigentümer der Festspiele.
Bundeskanzler Friedrich Merz hielt eine lange Rede, nachdem das Konzert mit dem Vorspiel zu Wagners „Meistersingern“ eröffnet worden war. Einerseits muss man zugestehen, dass sich diese Rede auf einem weitaus höheren Niveau bewegte, als man es von heutigen angloamerikanischen politischen Führungskräften gewohnt ist. Andererseits war sie jedoch durchdrungen von einer geradezu obsessiven Fixierung auf den Antinazismus – diesmal aus einer spezifisch deutschen konservativen Perspektive –, wobei mehrfach auf den im Exil lebenden Schriftsteller Thomas Mann Bezug genommen wurde.
Der konservative Widerstand gegen das Dritte Reich ist ein äußerst wichtiges Thema, das eine eingehende Untersuchung verdient; ein Aspekt davon, der auch für Thomas Mann von besonderer Bedeutung ist, wird demnächst in einem Artikel auf dem Blog „Real History“ behandelt.
Für H&D-Leser, die Deutsch verstehen, dürfte die gestrige Übertragung (Link zur Sendung hier) von besonderem Interesse sein. Wer kein Deutsch spricht, kann die Ansprachen überspringen und die Darbietung einiger der großartigsten Musikwerke aller Zeiten genießen: angefangen mit dem Vorspiel zu Wagners „Meistersingern“, gefolgt vom „Einzug der Gäste“ aus dem „Tannhäuser“ und schließlich Beethovens Neunter Sinfonie (die – wie sich manche Leser erinnern werden – auch bei der Wiedereröffnung von Bayreuth im Jahr 1951 aufgeführt wurde).
Eines wissen wir gewiss: Die europäische Kultur wird überleben und das Fundament für Europas politische Renaissance bilden – wie unsere Kameradin Isabel Peralta in dem kurzen, in Wien gedrehten und mit Musik von Wagner unterlegten Video betonte.

